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Winterlinge und Stadtteilerkundungen. Erstes Grün und tote Krähenvögel.

Wanderungen, Spaziergänge und Stromertage im März 2015

 

09. März – Stromern im Forst Jena

13. März – In den Winterlingen / Rautal Jena

16. März – Vormittagsspaziergang Rautal mit Burschenplatz und einem Kriminaldelikt

17. März – Stromertag: Stadtteilerkundung Jena-West

 

 

Stromertag 09. März – wieder auf dem Forst

Gut gelaunt, mit einem neuen Wandergast, den Rucksack voller Speisen und Getränke, zogen wir in den Tag, der sich – nach einem anfänglichen blauen Himmel mit Sonnenaufgang – mit einer Hochnebelglocke schmückte. Aber durch die aktiven Vögel, die ersten Leberblümchen und einer gewissen, leichten Wärme in der Luft merkte man das sich ändernde Klima. Mittlerweile jedes Jahr, diese Klimaänderung. Gut, wir zogen den Magdelstieg aufwärts, gingen quer durch Gärten und verloren uns wie immer in endlosen Gesprächen über das gegenseitige Betun. Passierten den Waldpfad ‚Schlauer Ux‘ und eine Kindergruppe, kamen zum Schottplatz, und der Wandergast, ehrenamtliches Mitglied in vielen Wandervereinen und -gruppen, erzählte von seinem Erfahrungs- und Wissensschatz. Wir bereicherten uns gegenseitig. Über die Kasernenhochebene hinweg, mit Erzählungen über Freimaurerei und Symbolik, gings wieder in die alte Mülldeponie und dann in einen Steinbruch zur Rast. Staunend passierten wir die großen Steinblöcke und Outdoorlagerplätze, und verteilten auf einem altargleichen Block das Mitgebrachte: Salat, Nudeln mit Soße, Knacker, Brot und Käse, normalen Brühkaffee, Tee, überbackene Brote und Schokoladenwaffeln. Als Neuheit diesmal noch arabisch gekochter Kaffee dabei, Kardamom, Zucker, und eine Prise Muskatnuss. Dreimal aufgekocht, göttlich. Noch ein Rundgang über das Rund der Bruchkante, Steingewühle, und über andere Wege an freigemachten Orchideenwiesen vorbei. Die Forststraße hinunter kamen wir wieder in den Ort und schlenderten dem Nachmittag entgegen. Dann noch ein Zwischenfall am Gartenzaun. Ein erst alt aussehender Hund, der schleppend durch das Laub am Straßenrand stakste, angeleint mit Frauchen, und der dann rhythmisch sein Essen erbrach. Um Himmels Willen, ein Empfang! Es war ein Brötchen gewesen, dass er sich beim Besuch eines Gartengrundstückes schnell geangelt hatte, und das wohl mit schlechtem Inhalt gefüllt gewesen sein muss. Eigenartig, hatten wir doch schon aus der Zeitung von vergifteten Ködern gelesen, die irgendwo mal aufgetaucht waren. Eine letzte Rast bei den Bismarcktafeln, um das zuletzt Erlebte zu überschreiben. Dann Verabschiedungen und Aufbruch ins Tal. Und dann holten wir eigentlich noch den ausgefallenen Stromertag des vorherigen Freitags nach, gingen durch die Straßen, mal hier, mal dort, schauten die Balkone und Häuserfassaden an, ganz in Ruhe. Erbauten uns an wechselnden Straßenbelagen und Bordsteinen, die gerade durch die Schiefheit und ihr optisches Alter eine Schönheit weil Natürlichkeit ins Bild brachten. Na dann, bis bald auf dem Weg!

 

Vormittagsspaziergang 16. März – Rautal mit Burschenplatz und einem Kriminaldelikt

Ein paar Stunden Zeit nehmen und ins Rautal hinterwärts gehen – und eigentlich müsste dies doch gut gehen, mitten in der Woche. Ist ja meine Arbeit. Also die Technik in den Rucksack: Fotoapparate, Audioaufnahmegerätschaften, eine Kanne Kaffee, zwei Äpfel, Sitzmatte, Erste-Hilfe-Set, ein Messerchen (für die Äpfel). Der Weg führte durch die Viertel Jena-Nords, durch die zwischendrin begrünten alten Neubauten, durch Gartenanlagen hindurch. Mit Neugier lese ich die Ge- und Verbote für die Gartenbesitzer und -pächter: Winteraustriebsspritzung, tropfnasses Spritzen gegen Kräuselkrankheit, Kupfermittel spritzen bei Weißfleckenkrankheit. Als Absender stehen „Ihre Fachberater“. Die Fachberater haben ein zweites Blatt ausgehangen, in dem auf die Baumpflege hingewiesen wird. „Leider wird auf diesem Gebiet in unseren Anlagen zu viel gesündigt [dazu ein Foto]. Die Gartenbegehungen haben ergeben, dass 70-80% der Bäume grässlich aussehen.“ Da haben sie Recht, manche Bäume wirken krüppelig, man kennt das Bild. Ein weiteres Blatt informiert objektiv und positiv über Flechten, allerdings könnten diese auch mit Netz-Schwefelit bespritzt werden.

Der Weg führt ins Rautal hinein, das Pflasterrattern der Autoreifen überhöre ich gekonnt, eile zum Ziel Burschenplatz und Waldweg dahinter, Bäume fotografieren. In der Schutzhütte am Burschenplatz eine Lagerfeuerstelle innerhalb eines Steinringes. Es sind viele neue Städtenamen in kyrillischen Buchstaben zu lesen, etliche kenne ich nicht. Alte und neue Angaben: Wologda 1970, Grosny, ein Hakenkreuz, Norilsk 87, Pensa 1971-1973. Dann ein Name wahrscheinlich: Nikolai Donski 84-86, und andere mehr. Mit einem Mal liegt ein toter Rabe oder Krähenvogel abseitig des Baches auf dem Laub. Und ich entsinne mich einer Geschichte, die Prof. em. Dr. von Knorre an einem Vortragsabend der NABU-Gruppe Jena vorgetragen hatte. Dass vor Jahren in der Region um den Jägerberg viele Rabenvögel tot aufgefunden wurden, und er sich ermutigte, entgegen den Anordnungen der Naturschutzbehörde, einen Vogel aufzuheben, und seinen Mageninhalt untersuchen zu lassen. Eine Vergiftung, wie sich ergab, und eine Anzeige gegen Unbekannt war die Folge. Leider hatte sich in all den Jahren nichts zur Aufklärung getan. Nun also wieder ein Fund. Auf dem Rückweg informierte ich den NABU-Pressedienst und erfragte, wie zu verfahren sei. Später schickte ich die drei Bilder des Vogels per E-Mail hinterher. Sie wurden weitergeleitet an die Untere Naturschutzbehörde, um sie der Anzeige hinzuzufügen, oder so ähnlich. Was aber dabei herauskommen wird, muss ein andermal geschrieben werden. Den Kaffee und die Äpfel habe ich dann auch wieder heimgetragen. Na dann, bis bald auf dem Weg!