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So viel Schlotten hat ich mein Lebtag nicht!

Stromern am 09. Februar – rund um Ziegenhain und zurück.

 

„Es war wieder mal eine schöne Tour heute, und auch das Picknick wie immer super!“ schreibt Gondel, und ein anderer Wandergast später: „vielen Dank für die schöne Wanderung. Man entdeckt in jeder Ecke Neues, ist sie auch noch so bekannt.“ Ja, es war schön gewesen! Vielleicht war ich ein klein wenig spät ins Bett gegangen am Vorabend, und so viel essen konnte ich diesmal gar nicht, aber was solls.

Bei der Sophienhöhe sind wir irgendwie auf einen Weg und dann auf die Mittlere Horizontale hoch. Gingen hinter Richtung Ziegenhain und ich merkte mir noch zwei Abzweige, denen ein andermal hinterhergelaufen werden muss. Wir fanden krasse Baumauswüchse, und auch kleine: Baumperlen, die abgeschält ihr hölzernes Herz offenbaren. Und redeten und redeten zwischen ein paar Nieseltropfen und Sonnenschein und Regenbogen. Hinten in Ziegenhain lag dann doch tatsächlich ein Ziegenschädel im Gras, Knochen mit Hörnerresten dran. Und viel wunderschönes Holz, verlassene Obstgärten en masse, skuril geformte Bäume, Schneckenhäuser und kleiner Berg Quitten im Gebüsch, zum Verarbeiten fertig vorgefrostet. Dann wurde ich munterer. Hin und her gings die kleinen Wege durch die Hecken und über aufgelassene Schafweiden hinweg, dann durch Ziegenhain hindurch auf den Oberweg, der uns dann relativ stracks zu den durch Herrn Conrad Linde eigenhändig freigelegten Gipschlotten führte. Wir drapierten eine – seht es uns nach – mit Essen und Trinken, diesmal auf blauem Tischtuch, und fielen nach den Fotos drüber her. Es waren weniger Gäste mitgekommen als angenommen, so dass man nach einem Mal durchprobieren eigentlich gesättigt war. Tibet- und Himalaya-Geschichten, ein Eichkater im nahen Baum, und sonst noch was für Themen: Urlaube, Wetter, Essen, Gipsauswaschungen, Baugeschehen, Menschengeschichten, Biographieeinblicke, alles. Ui, und dann sind wir ins Baugebiet rein, wir Spitzbuben, und haben nochmal Gipsschlotten gesehen, die auch dort freigelegt worden, weil Herr Linde noch wusste, dass sie mit der Entstehung der Gärten vor zig Jahren unter einer Hütte verschwanden. Ja, und plötzlich waren sie überall, die Schlotten! Sind wir durch die Ex-Gärten vor, auf hohen Absätzen aus Schlamm, stießen wir auf eine Baugrube, in der einer der ersten neuen Tiefgaragenstellplätze des neuen Wohngebietes entsteht, schwatzten mit den Bauleuten und stellten erstaunt fest, dass wir einen so frischen geologischen Querschnitt nur selten zu sehen bekommen. Dutzende kristalline Gipsschichten, und oben einwandfrei erkennbar die bis zu drei Meter tiefen, mit Sediment aufgefüllten Schlotten. Und dann eine Straße tiefer: im Grundmauerbereich eines Hauses wieder die typischen halbkreisförmigen Aussetzer im Naturstein, der in die Mauer wie gewachsen so integriert war – wieder Gipsschlotten! Noch ein Abstecher zur Zitterkirche – dem geophysikalischen Institut – mit den Halbedelsteinen in der Mauer und den Bohrkernen, und weiter unten am Berg die ganzen Infos und noch ein Dutzend Geschichten zu den unterirdischen Höhlen im Sandstein des Hausberges und den vielen früheren Firmen in dem Gebiet. Ja, es hat sich schon gelohnt und war alles sehr sehens- und hörenswert. Der Ziegenschädel aus Ziegenhain und so viel Schlotten wie mein Lebtag nich‘.

 

Bilder: Gondel