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Alte Weinberge unterm Laub. Gespräch in Bewegung in Kirchhasel.

Die Gespräche in Bewegung sind Teil des Projektes PARTHNER des Heimatbund Thüringen e. V. Die Tour wurde zusätzlich durch Denkorte der Demokratie am Bildungszentrum Saalfeld und die Tourismusinformation Uhlstädt-Kirchhasel unterstützt. Und Herr Jürgen Weyer hatte eingeladen, zu ihm nach Kirchhasel zu kommen.

 

Und alle kamen. Über dreißig Leute gingen in alte Hohlwege, über einen Sandsteinbruch, auf den Berg zur Wüstung Benndorf. Immer mit kleinen Vorträgen, vorsichtigen Blicken in die aufgrund des Wassermangels bruchberüchtigten Baumkronen, und Fragen an die mit Stöcken bewehrten Wandernden, ob sie wegsicher sind. Das waren alle, sehr schön.

Es war interessant, wie die alten Fluren und Felder im Geländemodell noch ersichtlich sind, oder wie der vermutliche Taufstein der Kirche aus Benndorf an der Hangkante steht, und zu hören, wann der Ort vermutlich verlassen und beräumt wurde. Kein Stein mehr auf dem anderen, keine Grundmauern mehr vorhanden. Klingt nicht schön, ist aber romantisch, also sehr schön.

So zogen wir durch den Wald, immer im Gespräch, Leute aus Jena und der Uhlstädter Gegend. Zum Schluss ein Vortrag zum Weinanbau, mit Blick auf die Hänge, wie viele tausende Hektar es dazumal gab, und wie wenige heute noch übrig sind davon. Der 30-jährige Krieg sorgte für Entvölkerung, der Weinanbau ging zurück, viele restliche Stöcke erledigte die Reblaus. Dann kam um 1900 der Obstanbau, dessen Reste man heute am Eingehen sieht. Heute sind die Weinhänge in den oberen Lagen bewaldet, in den unteren teilweise von jenem absterbenden Obstgehölz besetzt. Immer wieder Blicke zum Wald und dem Hang, auf das Geländemodell, und zu den anderen. Sehr schön.

Dann ging es zum Backhaus, während ein Teil noch die Kirche besichtigte. Stühle und Tische wurden herausgeholt und im Schatten aufgestellt. Tischdecken und Essen garniert. Es passte – die meisten hatten mitgebracht und keiner schloss sich aus Scham aus. Was stand nicht alles auf den drei Tischen! Blätterteigtaschen mit Wurst oder Käse gefüllt, gerollte und befüllte Fladenbrote, verschiedener Obstkuchen, geröste Kerne und x-verschiedene Aufstriche, Brote, Brötchen und Gebäck zum Belegen. Sehr, sehr schön! Wir blätterten in den Büchern des Historikers Weyer, lauschten den Geschichten derer, die auf jahrzehntealten Bildern Bekanntschaft und Verwandtschaft erblickten, oder hörten Infos über Gewürze und anderes.

Exkurs: Man fühlt sich ungemein beschenkt, wenn man das Essen anderer wortreich angeboten bekommt. Man merkt der Mühe Dank, wenn man dem eigenen Mitgebrachten Aufmerksamkeit in der Zubereitung widmet: wenn man selbst kocht oder zubereitet und garniert, und alles transportsicher mitnimmt, samt Besteck und Tassen.

So saßen wir im Schatten und erzählten und lachten und hörten zu, und die Wanderung, die auch so schon perfekt war, bekam ein Sahnehäubchen, dass sie insgesamt unvergesslich machte. Na dann, bis bald auf dem Weg!

 

Fotos: Norbert Sander (Projekt PARTHNER).