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Der Mensch in der Natur: Natürlichkeit und Multiperspektivität.

 

Es ist alles schnell und leicht erzählt. Bekannt ist, und seit den 80er Jahren des 20. Jh. zunehmend erforscht, dass Bewegung in der Natur gesundheitsfördernd ist und die körperliche und seelische Fitness kräftigt. Die positiven Effekte der Natur lassen sich mit dem Vergleich von Herzaktivität, Muskelspannung oder Hautleitfähigkeit belegen, auch existieren Studien über kürzere Regenerationszeiten und geringeren Medikamentenverbrauch nach körperlicher Krankheit oder Verletzung. Die Effekte beginnen schon beim Sehen von Naturbildern. Im Naturraum bewegende Menschen verfügen i. d. R. über ein positiveres psychisches Grundgefühl, bessere Selbstkonzepte und empfundene Selbstwirksamkeit.

 

Die Vielfältigkeit eines natürlichen Raumes ist um ein Vielfaches höher als die einer künstlich geschaffenen Umgebung unserer alltäglichen Arbeits- und Wohnplätze. So in der Anzahl der vorhandenen einzelnen Elemente und der möglichen Beziehungen, in die diese gebracht werden. Es sind hunderttausende Äste, Blätter, Büsche und Bäume, Schattierungen, Farben, die in mehreren hundert Metern um uns herum stehen. Dazu kommen geologische Ausformungen im Umkreis mehrerer Kilometer, sowie Unterteilungen durch verschiedene Horizonte. Es bilden sich so verschieden wahrnehmbare, unterschiedlich große und unterschiedlich wirkende Räume mit einer unfassbaren, millionenfachen Auswahl an fokussierbaren Eindrücken und Perspektiven.

Durch die Vielzahl an möglichen Einstellungen im Umweltausschnitt und der Wahrnehmung desselben finden viele psychische Vorgänge der Externalisierung statt (projektive Identifizierung, Realexternalisierung). Gleichzeitig existieren auch Internalisierungsvorgänge. Naturräume sind wertvolle Psychotope. Das bietet viele Möglichkeiten für Pädagogik, Erwachsenenbildung, Therapieformen usw. In der unmittelbaren Wohnumgebung können Kinder dutzende verschiedene Räume wahrnehmen, Handlungsroutinen beim Erwachsenen verstellen häufig die Sicht.

Am besten kann man das alles wahrnehmen und nachvollziehen, wenn man sich in eine Situation wie auf dem obigen Bild hineinbegibt. Sie entsteht aber nicht aus dem Nichts oder lässt sich in Sekunden konstruieren, man bekommt sie erst, wenn man mindestens zwei Stunden in der Natur unterwegs ist, und geht.

Bild: Lars Polten. Leutratal ca. 2017.