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Great Transformation – begleitende Exkursionen zur Konferenz

in der vierten SeptemberWoche wird es verschiedene kurze Exkursionen im Stadtraum Jena geben. Sie sind kostenlos, und alle sind herzlich dazu eingeladen. Es ist die Woche der „Great Transformation“ – Konferenz mit einem Begleitprogramm. Hier zur Tagung:  https://www.great-transformation.uni-jena.de/Festival.html

Und hier zum reichhaltigen Begleitprogramm von Jena-Kultur – es gibt noch weitere dutzende interessante Veranstaltungen und Orte zum Entdecken: https://www.jenakultur.de/de/projekte_und_festivals/great_transformation/great_transformation/857733

Die Themen der vier Exkursionen sind solche der Naturwahrnehmung und des Umweltschutzes – und genial aktuell. An ihnen kann man viele individuelle und gesellschaftliche Wahrnehmungs- und Beurteilungsvorgänge erkennen, ein Betätigungsfeld der Kulturwissenschaft. Die rege Diskussion um die Reaktion auf den Klimawandel zeigt dies genauso aktuell, wie die vielfache Widmung von Deponien und Abfallorten als Naturschutzgebiete, sowie das Vergessen deren Vergangenheit in der Öffentlichkeit.

Genauso interessant ist daher, deutlich zu machen, welche Faktoren unser Bild von Natur heute bestimmen. Menschliche Hinterlassenschaften werden gern ausgeblendet, sind aber überall in großen und vergessenen Dimension vorhanden. Mich freut es also, so auf verschiedene Themen (s. u.) aufmerksam machen zu können, an denen Transformationen erkennbar werden. Einige Treffen sind abhängig der Voranmeldung – bspw. geht es einmal mit Taxis auf den Forst, da nur zwei Stunden Zeit sind – und könnten gegebenenfalls nicht stattfinden. Wenn also schnell und genügend Anmeldungen kommen, wird geplant und geht es los! (Die Verlinkungen im Titel führen zur jeweiligen Seite im Veranstaltungskalender der Stadt Jena).


am Dienstag, 24. September 10.30 – 12.30 Uhr  

Altlasten und Naturschutz. Transformation der Nutzung und Wahrnehmung des Jenaer Stadtwaldes

Der Jenaer Stadtwald war und ist Naherholungsgebiet Jenas, war Stationierungsort von Raketentruppen (auch Kernwaffen), ist immer noch Altlastenstandort und wird seit 25 Jahren zum Naturschutz- und Umweltbildungsort transformiert. Er ist Ort des Erinnerns, aber auch des Vergessens: man findet vermüllte Überreste von Kriegsgefangenenlagern, neben sanierten auch unsanierte Deponien und zugewachsene Müllhalden, die vergessen sind. Er ist auch künstliche Landschaft mit Ruinenhügeln und Teichen, deren Kunsstofffolien erneuert werden. Wir verschaffen uns einen Überblick über die Veränderungen.

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am Mittwoch, 25. September 15.00 – 17.00 Uhr

Künstliche Wildnis. Kleine Exkursion zur Transformation der Natursehnsucht

Wildnis und Unberührtheit vorzufinden ist Bedürfnis des Menschen. Dies ist nicht nur durch die Sehnsucht nach wilden unberührten Naturräumen belegbar, sondern auch schon durch die Analyse von Bewertungsvorgängen in ganz normalen Stadt- und Naturlandschaften. Was ist aber, wenn Wildnis deklariert wird, wo eigentlich keine ist? Reicht es vielleicht sogar, Wildnis als Story zu vermitteln? Wann etwas als Wildnis empfunden wird, ist individuell verschieden und kulturell vorgebildet. Dies zu klären, ist Gegenstand eines erhellenden Spazierganges.

Eine Gruppe betritt ein natürlich anmutendes kleines Tal.

am Donnerstag, 26. September 10.30 – 12.30 Uhr

Transformationen des Weggeworfenen: Deponien im Stadtraum

Der Müll ist auch in Deutschland in großen Dimensionen vorhanden, nicht nur im Pazifik oder in Asien. Wir benötigen eine Transformation der Wahrnehmung. Ziele sind daher eine ehemalige Deponie in Jena-Ost und die früheren Fäkalienfelder (wenn wir es schaffen zeitlich), zwei Beispiele von mehreren Dutzend in Jena. Wir finden Bebauung und unbekannte verwachsene Deponiereste, und widmen uns der Erzählforschung. Die großen Klammern sind: Erinnern und Vergessen zum Müll, Garbologie en passent, und natürlich die Vorteile des eigenen Gehens, Sehens und Bildmachens. Die Müllberge aus Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts liegen noch, sind bebaut oder zugewachsen, werden vergessen oder verschwiegen, werden Altlast genannt und sind doch ganz realer Abfall.

Offene Deponien im Jenaer Forst. Nicht jene immer erwähnte Schott-Deponie, sondern eine der anderen Richtung Coppanz.

am Freitag, 27. September 17.00 – 19.00 Uhr

Transformationen der Naturwahrnehmung. Seh- und Gehübungen im Stadtraum

Ziel: Villa Rosenthal, Mälzer Straße 11

Vom Universitätscampus ausgehend verschaffen wir uns einen Überblick, welche Formen von Natur wir im Stadtraum wahrnehmen können. Was als natürlich, oder als ausreichend Natur verstanden wird, ist individuell verschieden und gesellschaftlichen Änderungen unterzogen. Natur kann auch Gegenwelt zum Alltag sein oder zum Künstlichen oder eigentliche Ordnung. Natur dient immer als Projektionsfläche menschlicher Phantasien und Gesellschaftsvorstellungen.

Wenn man einmal anfängt, seinen Blick zu sensibilisieren, kann man nicht mehr aufhören. Wir analysieren, wo wir hinschauen und was wir meiden, und warum Veränderung und Beständigkeit, Gehen und Sehen, und die eigene Biographie wichtig in dieser Wahrnehmung sind. Die Tour endet in der Villa Rosenthal. Alle sind eingeladen, an diesem besonderen Ort die Woche mit all den gewonnenen Eindrücken und Einsichten ausklingen zu lassen.

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Alle Fotografien: Lars Polten; Grafik: Team der Transformation-Konferenz, zur Verfügung gestellt für Werbezwecke.