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Hunderte ausgesetzte Kulturgegenstände gefunden. Wir bitten um Ihre Mithilfe.

Diese Überschrift ist ein Scherz. Sie könnte auch lauten: Wir brauchen endlich einen naturkundlichen Müllführer im Taschenbuchformat. Man kann es ja bald nicht mehr übersehen.

 

Wenn man mit offenen Augen durch Landschaft geht, wird man gewahr, wie sehr man von Zeugnissen menschlichen Schaffens umgeben ist. Meist bleibt der Blick an der blühenden Hecke hängen, oder, in der Ferne, streift er mehrmals an einer vertrauten Hangkante entlang, vor der rote Dächer auf ein kleines Dörfchen hinweisen. Oder so ähnlich – dies wird uns jedenfalls in Dutzenden Fernsehsendungen und Artikeln erklärt: wie man schauen müsse, und woran sich die anderen Naturbewunderer ergötzen. An Idyllen, Verklärtem, oder romantisch genannten Zusammenhängen schaut das Auge entlang, oder sucht sich die angenehmen Zusammenhänge im millionenfachem Grün der Umgebung, mit dem Wind und dem Himmel. Auch nimmt man Bücher zur Hand mit den Titeln: „Was blüht denn da?“, „Heilkräuter der Umgebung“, oder: „Die Vögel Mitteleuropas“. Für die genau so häufigen Kulturgüter am Wegesrand gibt es das nicht. Sie sind verpönt, sind im Wegwerfakt verdrängt, als ‚Abfall‘ erklärt plötzlich dazu erkoren, das sich jemand anderes kümmert.

Keine populären Bücher der Art von Naturführern gibt es für die menschlichen Erzeugnisse, die zwischen und unter allem Grün liegen und vergehen. Die weggeworfen sind, vergessen werden sollen, und denen relativ konsequent und sofort eine ‚Bedrohung‘ unserer ‚Umwelt‘ nachgesagt wird. Das können Abfälle, Hausmüll, und der große Rest dessen, was nicht mehr gebraucht wird zweifellos – in Form von Mikroplastik, Batterieresten, Schwermetallen usf. Trotz der Betonung, dass das alles schädlich sei, werfen wir – als menschliche Gesellschaft in Mitteleuropa – dennoch jeden Tag alles weg. In Jena beispielsweise finden sich nicht nur die propagierten ‚schönen Landschaften‘ sondern auch immens viel Bergbaufolgelandschaft, vergessene vermüllte Gärten, Hausmülldeponien, Altlastenorte – und das auch in FFH-Gebieten, Naturschutzgebieten, Landschaftsschutzgebieten, sowie natürlich all der restlichen ‚normalen‘ Umgebung.

Polten Wanderwelten hat diverse Hausmülldeponien und -kippen besucht und sich ein eigenes Bild von der Lage gemacht. Jägerberg, Jenaer Forst, Napoleonstein-Umgebung – mindestens acht Orte vom kleineren Haufen bis hin zur verwachsenen Deponie haben wir in den letzten Jahren entdeckt und teilweise oder ansatzweise dokumentiert [UPDATE Dezember 2018: ca. 40 in und um Jena, Tendenz steigend, monatlich neuen Orte zw. 4 und bis zu 100 und mehr Qubikmeter Abfallmenge]. Sie liegen alle am Wanderwegesrand in Augennähe.

Auf jedem Gang zu ihnen entsteht Geschichte und eine eigene Bindung zu Natur. Wir wollen nicht nur Orchideen bestaunen, sondern menschliche Naturlust, Erzählbegierde und Neugierde um das Entwickeln der Gesellschaft und Landschaft verbinden. Bis bald auf dem Weg!