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Ode an das Ehrenamt. Auf dem Randweg Engerda.

 

Die Gespräche in Bewegung sind Teil des Projektes PARTHNER des Heimatbund Thüringen e. V. Die Tour in Engerda wurde zusätzlich durch Denkorte der Demokratie am Bildungszentrum Saalfeld unterstützt.

 

 

Eine bunte Gruppe am alten Gast- und Kulturhaus in Engerda, die Sonne beginnt zu steigen, zumeist ältere Leute, viele einander unbekannt. Kein Empfang am Mobiltelefon, ein paar wollten noch kommen, man kann nicht telefonieren. Viele nicken an diesem Tag in Richtung des aufgegebenen Gasthauses, dort seien sie als Jugendliche zum Tanz gewesen. Ein Wanderführer vom Thüringer Wanderverband hat eine Route ausgearbeitet – den Randweg von Engerda. Wir laufen los und sind bald im allgemeinen Gespräch gefangen. Reden über die Wanderkultur der vergangenen Jahrzehnte, wie sie damals von der Betriebssportgemeinschaft oder dem Kulturprogramm organisiert wurden, und Meinungen, ob das gut oder schlecht war. Dann Golddistel, Braunroter Sitter und anderes am Wegrand. Dann Themen der Wiesenpflege und Mahd, und Mutmaßungen über die hiesige Pflegedoktrin, dann braunrotes Ständel-Kraut, die Orchideenliebhaber zeigen und erklären. Mit den Notizen haperte es vor lauter Mitreden. Noch weit unter der Hohen Straße bogen wir scharf ab, um unterm Waldrand zu bleiben. Bald tauchte die erste Hütte auf: eine überdachte Wetterschutzhütte, mit Bänken und Tisch davor, mit Fernblick. Los – Essen raus! Gekauftes und selbst Gebackenes aus Hefe und Blätterteig, mit und ohne Fleisch, mit und ohne Gemüse. Bratklöpse und Wein, Götterfunken-Aufstrich und geröstete Sonnenblumenkerne, Mozarella-Tomate-Spieße mit Basilikumblättern, für die eigens Kühlakkus mitgenommen wurden. Die Wespen sammelten sich mit dem ersten Dosenöffnen, tummelten sich in Klößchen und Aufstrichen, am Horizont flimmerten die Türme der riesigen Ex-LPG, und im Stehen und nach dem Aufräumen noch über zehn Minuten Reden zu den mental maps – wie man wo langgehen muss, wenn man wohin will, und was es dort gibt. Ganz ausführlich, und detailliert, wie die Wege verlaufen in jeder Vorstellung. Der Wein war alle, den jemand mitgebracht hatte, eine Wespe verirrte sich unter dem Pullover einer Frau, dann noch eine unter einem Ärmel einer anderen Frau, und es wurde gelüftet und gefächelt, gelacht und Witze erzählt, und Wegerich gesucht und gesammelt, und wieder flogen die Witze, wer den Wegerich zerkaue, und weiter gings. Dann Holzschutzverfahren, mit Hitze, Imprägnieren, also chemischen Stoffen, mit Mikrowelle. Dann die Holzschädlinge, die Hausbock- und Holzbockkäfer und andere, deren manche man nachts schaben und knabbern hören kann. Dann wieder Pflanzen am Wegrand, und bei einer nächsten Hütte wieder Staunen, wie sehr sie alle in freiwilliger Arbeit und Ehrenamt hochgezogen worden waren, wie sie gepflegt und gehegt wurden, diese und jene erste am Randweg von Engerda. Alles in durch engagierte Wanderfreunde. Beschwingt und froh ging es wieder in das Tal zurück, der Kopf gesättigt mit Landschaft und gelabt von einer frohen Runde bei einem Gespräch in Bewegung. Bis bald auf dem Weg!

 

Fotos: Lars Polten