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Positive Quartiersentwicklung in Saalfeld.

Quartiere haben unterschiedliche Bewertungen. Jeder nickt mit dem Kopf, meist sofort, wenn man im Gespräch erwähnt, dass man sich denkt, dass im Umland oder den kleineren Städten wie Rudolstadt, Pößneck oder Saalfeld eine geringere positive Entwicklung ist wie in Jena. Dies ist nicht so. Ein Beispiel von vielen aus Saalfeld.

Die Quartiersentwicklung in Saalfeld ist auf dem neuesten Stand der derzeitigen Entwicklungen der Sozialwissenschaften. Beispiel Bereich Beulwitzer Straße – Altes Kasernengelände. Man bewege sich vom Bahnhof kommen in Richtung Marktplatz durch die Stadt. Am besten mit Gehörschutz oder Musik und Schulterblicken. Die Autos fahren meist schnell, dürfen auch am Marktplatz fahren, huschen röhrend um Häuserecken. Das ist ein Nachteil der menschlichen Psyche: wer schneller ist, dem wird Vorrang gegeben. Ohne Schrittgeschwindigkeit gehts also auf lautem Pflaster um dem Fußgänger voran. Nachteil bei kleineren Städten: die Masse der Fußgeher ist so gering, sie haben noch weniger Mitspracherecht, und jede/jeder hat ein Auto. In Stadtteil Beulwitz an dem alten Kasernengelände angekommen zeigt sich, wenn man an der Hauptstraße steht, auf dem ersten Blick noch nichts Neues, man muss es erklärt bekommen. Linker Hand über die Straße, im Areal eines vormaligen Gartens entstanden, ein Feuer- und Spiel- und Basketballplatz. Gekauft durch die Stadt, entwickelte er sich laut Frau Hanka Giller zu einem sehr gut angenommenen Treffpunkt. Sie beschreibt mehrere Gruppen, die dort draußen miteinander leben, bzw. deren Lebenskreise sich dort signifikant überschneiden. Migranten, einheimische Arbeitslose verschiedenen Alters und eine Gruppe ‚normaler‘ Bewohner. Signifikant heisst hier: die Individuen sind in so großer Zahl, dass ihre Lebensweisen augenfällig sind, und sie als eigene Gruppe in der Kommunikation auftauchen. Gleichzeitig rücken sie aber so in andere Felder menschlicher Kommunikation. Und zwar die sich mit den Möglichkeiten menschlichen Vergleiches, und bestimmten indentifikatorischen Vorgängen beschäftigen. Das Quartiersmanagement und die Kommunikationsart hebt diese Unterschiede auf. Unterschiedslos den genannten Gruppen gegenüber wird ein Garten zum gemeinsamen Nutzen angeboten. Es gibt einen Bauspielplatz, einen Fußballplatz, Container zum Unterstellen, einen stationären Backofen im Garten, zwei mobile Öfen zum Pizza- und Fladenbrotbacken, eine Begegnungsstätte mit vielen verschiedenen Angeboten und vieles andere mehr. Auffällig ist die Kommunikation der Beteiligten in ihrer Art der Aufhebung von Grenzen, der Anerkennung menschlichen Denkens und Handelns und das Nutzen der lokalen Möglichkeiten. Ein Beispiel von mehreren: in einem kleinen Baumbestand (ca. 15 Jahre junge hochgeschossene Bäume) ist ein Labyrinth angelegt, in dem Kinder spielen, es selbständig weiter gestalten, und das an seinem einen Rand einen Zaun aufweist. Entsprechend kindlicher Entwicklung ist dieser hochgehoben und somit seiner Funktion enthoben. Er ist ein „durchbrochener“ oder „überwundener“ Zaun. Die möglichen positiven Bilder und Effekte, die das Grenzenerweitern und Grenzendurchbrechen des heranwachsenden Menschen produzieren, werden genutzt – der Zaun bleibt bestehen in der Form mit seinem Durchbruch. Damit ist für viele Folgen aktiv vorgesorgt! Nicht nur, dass nicht andernorts weitere Durchbrüche erfolgen, wenn die bestehenden geschlossen werden. Nein, es wird auch dafür gesorgt, dass die Welterweiterungen der Heranwachsenden geduldet werden, dass das tradierte Bild einer ‚Beschädigung‘ umgewandelt und aufgewertet wird, das positiv mit Transformationen und einhergehenden Prozessen umgegangen wird. Es ist ein Glück, dass der Umstand der derzeitigen Eigentümerschaft des LEG Thüringen dafür sorgt, dass hier ein Freiraum der Positiventwicklung stattfinden kann. Und dies, liebe Lesende, sieht man auf dem ersten Blick nicht! Denn man geht mit dem altbekannten Kopf-Bildern dorthin. Beim ersten Mal sprach ich einen Mann auf der Straße an: was das für ein Spielplatz dort sei. Er antwortete abschätzig und mit Schimpfworten. Ich nahm es nicht übel, weil ich später merkte: die Quatierfrauen- und männer tun dies auch nicht. Sie laden alle ein, mitzumachen. Sie rechnen nicht Aussagen gegeneinander, sondern bringen eigene Taten ein. Bis bald auf dem Weg!

 

Alle Bilder: Lars Polten