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Rückblick: die Exkursionen zur Konferenz Great Transformation.

Die Konferenzwoche ist vorüber. Allen Gästen und Teilnehmern alles Gute für künftige Touren! Es waren interessante Tage. Herzlichen Dank an die Initiatoren, so dass wir alle in gedankliche und tatsächliche Transformationen kamen.

 

 

Am Dienstag -24.09.- waren wir auf den Spuren des Naturschutzes und der Altlasten im Jenaer Forst. Wir sahen, wie Kasernengelände entfernt und re-naturiert wurden, entdeckten die Natürlichkeit und Erholung der Landschaft, aber auch ihren künstlichen Aspekte, die tatsächlich einem Pflegeplan unterliegen. Sie erfuhren, dass manche Areale hervorgehoben und betont werden, während in vielen anderen noch Müllkippen und Deponien aus den Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts liegen – über 12.000 Altlasten gibt es noch in Thüringen, und viele werden, wenn vergessen und der Deponiekörper intakt, als Naturschutzgebiet erklärt. Transformationen von Naturbildern erfolgen schon innerhalb einer Generation.

Am Mittwoch -25.09.- sind wir den Spuren der Wildnis hinterhergegangen. Wir konnten nicht bis in die den hiesigen „Urwald vor den Toren der Stadt“ im Norden Jenas, aber der ist eh aufgrund des Wegegebotes und der Altlastenbelastung nicht begehbar. Wir lernten, Aspekte des „Wilden“ auch in der Stadt zu sehen, und wie die Wahrnehmungs- und Referenzrahmen darauf eingestellt werden müssen, denn wir nehmen es nur unbewusst wahr. So bewusst werdend tauschten wir uns über die uns bekannten Apekte und Bilder von Wildnis aus, und wissen nun alle von unseren Heimaturwäldern aus Mecklenburg, der Schweiz, dem Schwarzwald, dem Bayerischen Wald, und andere mehr. Wildnis ist überall, und muss wohl dennoch gefunden und erfunden werden. Absichtlose Aufmerksamkeit findet man in allen naturnahen Räumen.

Am Donnerstag -26.09.- führte uns der Weg in die neue Wenigenjenaer Schule, eine Gemeinschaftsschule, die auf einer Altlastenfläche entstanden ist. Die Schülerinnen und Schüler zeigten uns gemeinsam mit ihrer Lehrerin ihr neues Projekt, das neben der Schule entsteht: ein Multifunktionsraum auf einem großen Platz, der gerade auch Transformationen des Lebens und Lernens begleiten und unterstützen soll. Und das in der großen Klammer der bisherigen Transformation der Gegend: auf Luftbildern zeigten wir den Schülern die Geschichte ihrer Schulumgebung: Flakstellung, Sperrballonstellung, Schott-Kriegsgefangenenlager und dann 40 Jahre Bauhof und Mülldeponie.

Am Freitag -27.09.- zum Abschluss der Woche, nahmen wir in den späten Nachmittagsstunden die Umgebung der Tagung unter die Lupe und stellten uns die Frage: was kann man in der Stadt an Naturräumen entdecken? Und was ist eigentlich alles Natur? Viele Aspekte kamen zusammen: Natur als Gegenraum des Alltags und als Raum des Perfekten und des Paradieses – und als Gemenge von Naturikonen: Blätter, Grün, Baum und Himmel, Beziehung und Glück. Natur aber auch als Konzept und als Konstrukt unserer menschlichen Sprache und Kultur. Und noch mehr: Aspekte von Landschaft, der eigene Weg als bester Weg in der Natur, die Spaziergangswissenschaft als Zugang zur Erweiterung des Wahrnehmungshorizontes, und Naturaspekte in Atem und Luft und Licht. Ergänzend dann und ganz vox populi der Thüringer Wanderkönig als Gast in unserer Runde (incognito, aber tatsächlich und nachweislich im Jahr 2018 gekürt!!!).

Nun wissen Sie, warum Kulturwissenschaft in Bewegung so interessant ist. Bis bald wieder auf dem Weg!