Blog

Vier-Jahreszeiten-Gang

Da war dann die Optik ein bisschen zugetropft! Am Stromertag des 19. Aprils ins Leutratal. Wegen der möglichen Birken- und Haselpollen, und der Teilnahme eventueller Allergiker hatte ich nochmal Schnee angedacht zum Stromern. Und seht, es war geschehen. Es reichte nicht ganz, und damit entstand ein Vier-Jahreszeiten-Gang.

 

Aber ehrlich mal! Lange schon geschneit schien es in der Nacht zu haben, als das Morgenlicht sich im Tal ausstreckte. Es ging so, dachte man im Hin- und Herblicken aus dem Fenster, ja, da geht bestimmt so. Und: ‚Hm, perfektes Wetter für Frühblüherallergiker. Und wann hat man schon mal richtigen Winter in Jena! Muss man ausnutzen.‘ Und drei Stunden später standen wir in zehn Zentimeter Schnee auf dem Kospoth! Und ein Blick auf die Socken, beim Hochziehen der Hosen, bestätigte das Gefühl, dass es nass wurde. Wir waren durch die Steinbrüche gestapft, die sich im Berg des Hopfentals ausbreiten, und durch die der Weg führt, haben die herauskommende Sonne bestaunt, oder eher, was für Licht im Wald entstand. Hatten über dem Göschwitzer Steinbruch ganz erregt geatmet, weil er so winterweiß und doch auch mit frischen Grün vor uns lag. Und oben eben Winter total! Und als wir, wieder eine halbe Stunde später, in das Tal der alten Autobahn hinabstiegen, regnete es von den Bäumen! Vor zehn Minuten noch Frost an den Ästen hängen sehen, und angefasst, ob es wirklich welcher war, und den anderen gezeigt – und jetzt klatscht alles ins Genick und auf die Rucksäcke. Schwupps gings immer mal, wenn der nasse Schnee auf den nassen Blättern, und diese wieder auf dem nassen Untergrund – wenn alles ins Rutschen geriet. Dann lag man, das Handy flog weg, und die Arme aller ruderten kurz vor Schreck und Anempfinden. Unten im Tal dann wieder Frühling, Sonnenglitzern in den Pfützen, und das Staunen ob der Begrünung und den vielen Pflanzen auf der abgetragenen Piste. Dürre Stengel vom Vorjahr neben sprießendem Klee, Löwenzahn und Ahornstecklinge. Und je mehr man den Blick gen Boden richtete, desto kleiner und zahlreicher sah man es allerorten sprießen und gedeihen. Kaffee- und Essensrast an einem der vielen Dämme. Vom Wald her immer noch das Klatschen des herabfallenden Schnees. Und hier fast Sommer.

Dann hinterwärts auf festem Grund, und Pflanzen bestimmt, Steine bestaunt, hundert Fotos gemacht, Nahrungsergänzungsmittel getrunken und gelutscht und gegessen, und über Gott und die Welt berichtet. Am Haus des NABU drängten aber schon die Uhrzeiger – nein, die elektronischen Anzeigen – zum Rückweg, Pösen werden wir nicht schaffen heute. Also wieder zurück über den Berg, und oben alles angezogen, was der Rucksack her gab. Und doch pfiff der Wind in die Ritzen zwischen Ärmel und Handschuh und machte aus Reißverschlüssen eisig wirkendes Metall in Hautnähe. Die Blicke meist gesenkt, immer wieder von Schneefahnen aus Wolken, von Sonne beschienen und stetig beweht, gings wieder nach Jena ins Tal zurück.

 

Bilder: Polten Wanderwelten