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Was ist Natur? Eine Übersicht verschiedener Aspekte.

Natur ist also ein Bezeichnung und eine Kategorie des Menschen, wie auch Kultur, Geschichte, Tradition, Rasse. Eine Übersicht verschiedener Aspekte und eine Zusammenführung.

 

Jeder kann etwas anderes unter Natur verstehen. Sie ist das, was außerhalb des Wohnraums existiert. Sie ist in dem Raum, in den man spazieren geht, und in dem das Wetter auf einen einwirkt. Sie kann aber auch im Wohnraum sein: in Form von Pflanzen, Tieren, Essen, oder Parasiten. Eine nächste Sicht sieht den Menschen selbst auch als Natur. Meist wird übereinstimmend angenommen, dass Natur eine Gegenwelt zum Alltag und zur Kultur des Alltags ist. Sie ist dann das, was man sonst selten oder nicht hat. Natur hat eine Eigenschaft des Wilden und Ungezähmten, etwas, was nicht beeinflusst wird. In einem Natur-Raum darf dann auch das meiste oder alles so sein, wie es ist. In manchen umweltpädagogischen Events wird allerdings ein zeitliches Korsett gebildet, dass Entfaltung wenig möglich ist.

Häufig benutzte Bilder von Natur sind solche von freilebenden Tieren vor einem meist grünen Hintergrund, oder einzelne Bäume in verschiedenen Darstellungsarten, oder Landschaft. Ferner dann grafisch zugespitzte oder symbolische Abbildungen von einzelnen Blättern, Pflanzen, Bäumen oder Tieren (bspw. der WWF-Panda), oder behütenden oder stützenden Händen (im Verbund zur Ökologie), und meist die Farbe Grün. All dies ist auch Natur, und beeinflusst rückwirkend die Wahrnehmung von Natur. Wie vom Menschen produzierte Bilder und Narrative rückwirkend die Wahrnehmung formen, wird in der Biographie- und Erzählforschung beschrieben.

Durch die verschiedenen Wahrnehmungen, was für wen Natur ist, entsteht viel Erschrecken. Auch „lila Kühe“, mit Altlasten und Munition belegte „Urwälder“, oder Naturschutzgebiete auf vergessenen Deponien sind Natur und mitunter seit Jahren Realität.

Natur kann somit eine Kategorie der Raumaufteilung sein. Räume werden so unterscheidbar und menschlichen Bedürfnissen angepasst (Ordnung, Planung, Identität), oder noch weiter unterteilt werden (Räume in Räumen).

„Nur von drinnen betrachtet ist das Draußen uferlos, wild gefährlich. Wir bestaunen es, oder wir fürchten es. Drinnen kann man sich solche Betrachtungen leisten, es tut ja nicht weh. Gehen wir aber hin und sind für eine Weile wirklich dort draußen, passiert etwas Seltsames: Wir richten uns darin ein. Wir können gar nicht anders, wir können nicht den lieben langen Tag Philosophen sein. Wir können die Welt nur Raum für Raum erobern, durchleben, was auch immer. Unsere sinnliche Konstitution ist nun mal so. […] Wir ertragen das große Ganze nur in seltenen großen Momenten. Wie sind so gemacht, dass wir es in Räume zerlegen, uns Räume schaffen, in Räumen leben, in Räumen denken.“ (Büscher, Wolfgang: Eine Heimat im Freien. In: ZEIT Magazin. Nr. 15. S. 43.)

Natur ist also ein Name und eine Kategorie des Menschen, wie auch Kultur, Geschichte, Tradition. Sie wurde von Stadtbewohnern im 19. Jh. entdeckt. Natur kann auch quasireligiöse Zuschreibungen und Narrative bekommen.

 


Foto: Auch eine Landschaft. Am Bahnhof Erfurt. Lars Polten