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Wie Schmuggler haben wir unsere Wiesen erreicht.

Und irgendwann gings mit den Fingern ‚Schnipp‘: was siehst Du eigentlich? Das zweite LandARTwandern mit Kai-Uwe Krauss am 11. Juni.

 

Früh Fladen gebraten, noch ein paar terminliche Schreibereien und Telefonate, und los mit Kind und Kegel zum Treffpunkt Kulturbahnhof. Ein paar weitere, ein gutes Wetter, immer mehr Kinder, und dann über ein paar Strassenzüge hinweg rüber zum Berg. Noch mehr Kinder und Erwachsene, dann Natur. Die Steinerne Rinne. Von Holunderduft gesättigte Luft, viele Blumen und Äste, die in den Weg ragen. Hundert verschienartig gebastelte Zäune. Ein Einheimischer auf seiner Baustelle, wir erzählen einander. Tausend Frohlockungen der Gruppe, die Kinder ziehen an, keiner wird mehr getragen. Kanten und Stufen, die wir schreitend nehmen, noch ein paar Ortsabsprachen per Handy, und wie vorgesehen im Zeitplan kommen wir auf die Wiesen, tauchen aus dem Grund empor, und wundern uns wieder, wie sehr anders alles aussieht, wenn man ein paar Meter weiter ist. Wie Schmuggler, die ihre Höhle erreichen, kommen wir an unserem Platz an und breiten alles aus. Decken entfalten sich in der Luft, Tischtüscher werden zu schmucken Bodendeckern, Kinderbedarf in Form von Malstiften und bunten Büchern erscheint, erste Gräser gebogen. Das Essen wird errichtet: Büchsen geöffnet, Fladen ausgebreitet, es klackt vor lauter Plastedeckeln, die entfernt werden, und erste ‚Oh’s und ‚Ah’s ertönen. Als diesmal gebratene Auberginenstreifen erscheinen und eine saure Creme mit Knoblauch darauf gebracht werden kann, insgesamt auf Unterlage von Brötchen oder Teigrolle, und das ganze mit Stücken eines frisch aufgebrochenem Salatkopfes gegessen werden kann – da holte es mich ein, und ich vergaß alles, wie immer.

Irgendwann später meinten wir, dass es losgehen kann, punktgenau 13 Uhr so. Und wir gehen ins Gelände an drei verschiedene Stationen, und lassen es auf uns wirken. Schnipp, heisst es nun, schau Dich um! Was siehst Du? Welche Wirkungen des Draußenherum verspürst Du? Es werden die ganzen Öffnungen und Schließungen des Raumes um einen herum deutlich, es werden überhaupt mehrere Räume um einen herum deutlich. Und warum das so ist: denn je ob eine Baumgruppe geschlossener erscheint oder nicht, und warum das so ist, wirkt es auf einen als ein Ort, an dem Rückzug und Abschalten möglich ist. 30 Meter weiter, und viele meinen: zu eng, zu viele Kontrolle auf den Weg ist vonnnöten. Und andere verneinen: Nein, hier könnten sie sitzen und lesen. Und wir staunen ob der unterschiedlichen Wirkungen jedes Ortes auf jeden einzelnen. An einem dritten Ort noch eine mehr steinerne und flächige Ausformung des Bodens, und ein paar Worte, und dann kommen die Kinder und rufen die Papas und zurück gehts zum Schmugglerplatz. Der Hund wird verzärtelt, einige sitzen auf hochgestellten Beinen beim AcroYoga, immer wieder wird Essen eingeschoben, und manche beginnen mit LandART.

Ein Blattgürtel, ein Ring aus vorbereiteten Blättern schiebt sich um den Stamm. Eine verwachsene Altlastenkippe dekoriert ihre Schmuckstücke an einem anderen. Fundäste bilden an einem dritten eine Kinderbude. Verwoben mit Wurzelfasern und Gräsern, und einem Nadelquast als Besen zum Kehren des Hausbodens. An einem vierten Baum wird eine Wiege installiert: ein querer eingehobener kurzer Stamm, in dem eine natürliche Mulde mit Erde, Efeu und Steinen gefüllt wird. Was wird wachsen, was entstehen, und wie lange wird es halten? Wir werden es sehen… Erfüllt verlassen wir den Platz Stunden später, haben uns kennen gelernt und an allem erfreut, was geschehen war. Bis zum nächsten Mal auf dem Weg 🙂