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Wind mit Herbst und Sonne, Schlammwege und Grasbasteln.

Gespräche in Bewegung, LandArt und Stromern an manchen Tagen. Wir waren viel unterwegs gewesen in den letzten Wochen.

 

Das Titelbild zeigt uns bei der Ankunft auf dem Kospoth zur HerbstLandArt am 15. Oktober.


 

Stromern am 19. Oktober – Sperlingsberg

Sperlingsberg? Schafften wir doch nicht.. Aber fast! Es waren ja Herbstferien in Thüringen, also gings mit einem Kind auf dem Rücken hinauf zum Landgrafen. Das war ein Sport. Später über Wiesen und Felder, verschlammte, und der Napoleonstein lag weit hinter uns. Wo wir den ersten Kaffee getrunken hatten, Pause im Wind. Glücklich waren wir gewesen, denn die Wolken hatten sich doch teilweise geöffnet, und Sonnenstrahlen fielen dorthin, wo es am schönsten aussah. Wie poetisch. Anderthalb Wochen später, nun beim Schreiben, weiß ich gar nicht mehr, wie es weiterging! Geschnattert haben wir. Und verschlammte Felder waren dabei, rauschende Straßen, weil es keine Wege im Grünen gab, und auf der Höhe, nach dem letzten Wäldchen vor Kleinromstedt, hatten wir Halt gemacht zum Essen und Frönen. Im Wind, der beständig um uns war, und an einer Bank, die einem der Feuchte Weges entrinnen half. Ansonsten wie gehabt: bestes Essen, wasserdichte Decken auf dem Boden, Schnitzmesser in Kindeshänden, Kaffee und Tee und Schokolade und Chips. Wir gingen rückzu dann, irrten in Isserstedt der Ersatzhaltestelle zu, und das Kind war auf den Schultern eingeschlafen. War wieder sportlich. Und wie ein ganz aktueller Bericht über die letzten Stunden für uns selbst dann die Busfahrt nach Jena, weil wir alle Dörfer wiederholt abfuhren, viele Wege nun passiv entlanggefahren wurden, die wir vorher gegangen waren, bevor wir ins Tal bogen, und als einen Eisbecher als Belohnung ausmalten, wenn wir daheim wären.


 

Gespräch in Bewegung am 16. Oktober – Forst Jena

„Wegänderung! Ein Kinderwagen ist dabei.“ Also wo geht’s lang? Dann doch nicht auf die Sonnenberge, das wäre außen herum zu weit. Durch die Kleingartenanlage bei der Schweizer Höhe, abwechselnd im Schieben des Wagens mit dem schlafenden vier Monate altem Kleinkind. Die Münder gingen ununterbrochen: Deutsch, Englisch, Trigrinisch oder Sudanarabisch – ich weiß es nicht – aber es war auch egal, weil wir uns verstanden. Rauf auf den Berg, unter Schwitzen die Serpentinen entlang zum Bismarckturm, schneller und besser als erwartet. Und weiter weiter durch den Wald, bis wir an der Wiese des ehemaligen Sportplatzes spontan die Rast bereiteten. Im letzten Sonnenlicht der letzten Sonnentage, könnte man sagen. Mein Gott, was hatte es auch geregnet die zwei Wochen vorher. Zwischen Birnen und Äpfeln, Brot und Brötchen und Fladen, Aufstrichen und Kaffee und Datteln und Tee gab ein Wort das andere, wurde das Kind gezeigt und manchmal gereicht, wurde auf Handys nach Worten getippt und Sonnenbrillen aufgesetzt. Ja, es war gelungen, auch wenn beim Essen die Gruppen mehr unter sich saßen. Im Gehen entfaltete sich die Absicht, denn da trafen sich die Redenden und Hörenden automatisch.


 

Herbst – LandArt Kospoth am 15. Oktober

Mit Kai-Uwe Krauss

 

Eine neue Gegend wurde diesmal auserkoren: der Kospoth oberhalb Jena-Winzerla, der wohl tausend Wege und Plätze aufweist, an denen man sonstwas machen kann – heute LandArt. Im Süden an Göschwitz grenzend und mit dem Sattel des Jagdberges ins Leuttratal endend – dort dominiert der große ehemalige Steinbruch das Bild, wie es wohl die meisten von der Autobahn kommend her kennen. Der Steinbruch ist schon spannend und sehr erlebnisreich, aber die hunderten andere Wege und Dutzenden kleinen und großen Täler sind es mindestens genau so. Die möglichen Landschaftsgestaltungen sind vielerlei Art, es gibt Wiesen und halbverbuschte Regionen, Hochwald und niedere Schonungen, Totholz und geräumte Bereiche. Bombentrichter und Bunker, Toskanabüsche nebst dem warmen Flair, das man im Kopf hat – als auch windumbrauste Bereiche, und Plantagen, versteckte Weiden, verlassene Häuser, und viel Geschichte.

An einer solchen Insel im Schnittpunkt von Hochwald, Wiese, „Halb“wiese, und Verbuschung stoppten wir, betteten uns und bereiteten ersten Gaumengenuß aus. Der Kaffeekocher setzte aus, aber der Wetter war derartig warm, dass es entschädigte. Selbst fiel mir an diesem Tag nichts ein, aber das machte nichts, stand ich so mit einer Bekannten im Gespräch an einem Busch, den wir nebenher dekorierten. Das Gespräch und das Öffnen in ihm, das sachte Auffangen schmerzhafter Themen durch unsere Entspanntheit, weil wir draußen waren. Der liebliche Ausblick und die warmen Sonnenstrahlen. Die wollenen Samenknäuel eines Schneeballs in den Händen, und wie wir ihn an einem Nadelbaum dekorierten. Die gelegentlichen Gespräch mit den anderen, und die Worte, die man in sich an sich selbst richtete, ohne sie überhaupt richtig zu hören. All dies erweckte den Eindruck, dass man nichts falsch macht, wenn es von Herzen kommt. Und so schufen alle ihre Gebilde und Anordnungen, während wir „nur“ den Baum besprenkselten, und das Gespräch vorderhand war. Ein schöner, ein wichtiger Nachmittag, begleitet vom Kanonendonner der Kriegsnachstellungen von Cospeda, die keine ‚Kriegsverherrlichung‘ sein wollen, und doch die Möglichkeit einer Existenz von Glück im Kampf nicht beseitigen können – sonst wäre ja keiner dort.