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Zeitzgrund und KIM – Geschichte.

Stromertag am 24. März in den Zeitzgrund und über die Wälder hinter Bobeck nach Klosterlausnitz.

 

Kaffee beseite gestellt, Schluss mit Naturbetrachtung. Weiter geht’s. Zum Beispiel so: in Stadtroda aus dem Zug steigen, und Leute antreffen. Begrüßung und Zunicken, und das Grinsen, weil alle wissen, dass es jetzt losgeht. Dann hinein in den Zeitzgrund – wie ein Sprung in warmes Wasser in Zeitlupe. Die Äste und Gespräche treiben Knospen. Sonnenstand und Schattenwurf, Wegmatsch und Steinanordnungen formen die Themen. So ein assoziatives Hervorpurzeln: schaut man auf die Autobahnbrücke, kann man von Nistkästen auf Forstarbeit, von Betonmauern auf Renaturierung, und von Pfützen auf Ernährungsthemen kommen – wenn man in Bewegung bleibt. Wirversorgen uns gegenseitig mit Wissen, über Schwergewichtsmauern, die Renaturierung der Auma bei Muntscha, verschiedene Ausgleichmaßnahmen bei Autobahnbauten, Müllfindungen, die Begängnisse der letzten Monate und Wochen, und alles mögliche andere mehr. Währenddessen geht’s den Zeitzgrund entlang, und ein großes Staunen alle naselang, zum Beispiel an der Neumühle. Ein paar Ruinen und Altbauten am Gewässer- und Wegrand, zig Nistkästen an Bäumen und Hauswänden, viele Haufen, die bestimmt viel Altes bergen. Ein großes Vogelhotel heute, früher Ferienanlage. Würden wir auch gern reinschauen, aber alles verboten und abgesperrt. Im redundanten Wiederholen dann viele Infotafeln, welche Gewässer wo renaturiert wurden sind im Tal. Besser: welche Gewässer wieder zu Gewässern gemacht wurden, wo sie verlandet waren. „Renaturierung“ stimmt als Begriff nicht, denn Natur war da auch vorher, man sieht sie überall auf den Bildern. Irgendwann nach weiteren Themen stehen wir an einer der Rabsburgen und der Familiengruft der Familie Lauer von der Papierfabrik der gleichnamigen Mühle. Die Burgruinen liegen im abgehenden Tal dahinter, da wollen wir heute nicht hin. Aber sehr interessante fragmentarische Geschichten der Burgstellen gibt es im Internet zu finden – also muss es mal ein sehr besiedeltes Tal gewesen sein. Die kleine Rabsburg sieht auf dem Hinweisschild wie eine Urform einer Burg aus: ein Wohnturm und ein Keller, darum Gräben, Platz nur für diejenigen, die die Herrschaft und Macht innehatten. Die Gruft der Familie Lauer liegt malerisch am Hang vor uns, so ein bisschen zu bilderbuchmäßig – als ob man selbst alles erschlossen hätte: rechts am Hang liegen die abgebauten und aufeinander gestapelten Gitter einer ehemaligen Umzäunung, zugewachsen. Und vor dem Eingang, lose verstreut große Steine des Einganges, mit dem aufgestellten eingemeißelten Schriftzug „Ruhestätte d. Familie Lauer“, dann die abgebrochene Kante am Steinblock. Freiliegendes Ziegelwerk am Hang, und am Rhododendronbusch ist der größte Ast abgeknickt und vertrocknet. Ein paar Wehr- und Brückenfragmente entdeckten wir noch am Bach, mehrmals, und weiter geht’s. Die Papiermühle ist mittlerweile schön hergerichetet. Neben restaurierten Gebäuden findet man auch noch ein leerstehendes mit alten Schriftzügen am Bahndamm, aber alles als Privatgelände markiert. Wir zweigen nun ab, weil auf der Karte eine Reihe Gebäudemarkierungen locken, die im nordöstlichen Wald von Bobeck liegen. Es gibt so viele Wege durch den Wald, dass wir schnell über die örtliche Landstraße kommen, und vor dem Ort Bobeck einen Halt machen, um die Details der Silhouette von Klosterlausnitz per Ferndiagnose zu bestimmen. Im Wald schließlich hinter Bobeck kommen wir in ausgedehnte Birkenwälder rund um das ehemalige Kombinat Industrielle Mast – ‚KIM‘. Ob und wie heute dort Hühnchen und Hähnchen gemästet und geschlachtet werden, wollte ich gar nicht wissen – dafür aber, dass die Birken aufgrund des überdüngten Bodens angesiedelt wurden. Rudimente alter Zaunsfelder und Stromverteiler ziehen sich nun kilometerlang an der Straße entlang, mehrmals tangiert man ausgedehnte Barrackenfelder, die aber nicht mehr alle der Tierproduktion dienen.

An der zu kreuzenden Autobahn – vorher bei den ‚Ziegenböcken‘, gibt es plötzlich keinen Fussweg mehr, man muss an der Straße entlangtrampeln. Die Gaststätte steht zum Verkauf, im Hinterhof trinkt ein Mann ein Bier und grüßt. Autos rauschen, und wir sind froh, über die Straße springen zu können. Alles uneinsichtliche Kurven, schon öfter aus dem Auto gesehen, und doch heute erst richtig. Eine gößere Gruppe könnte hier nicht entlang, zu gefährlich. Kurze Zeit später die Autobahn, und wir versuchen, Richtung Süden in den Sumpf zu kommen, aber es gibt keinen markierten Pfad mehr. Am Aussichtspunkt eine letzte größere Rast, und mit dem Rückenwind Richtung Autobahn ist ihr Geräuschpegel ganz verschwunden.

Das war es dann schon. Fast. Hin nach Klosterlausnitz, durch Wirtschaftswälder hindurch, nach Hermsforf hinein und rein in den Zug. Schon ein wenig sonnengebräunt und mit Musik in den Ohren geht es nach Jena zurück, die Beine angenehm beschwert, und viele neue Ziele für nächste Touren im Kopf. Bis bald auf dem Weg 🙂